gehirn

Der Skalpell-Virtuose

Der Spezialist über seine Liebe zur Hirnchirurgie, die Schönheit des menschlichen Gehirns und Hirnerkrankungen bei Kindern.

Was fasziniert Sie persönlich an der Neurochirurgie besonders und warum haben Sie sich für dieses Fach entschieden?

Die Neurochirurgie bietet die Möglichkeit, sich mit einem zukunftsträchtigen Fach wie den Neurowissenschaften zu beschäftigen. Hierbei handelt es sich um ein sehr spannendes Feld, da man noch nicht allzu viel über die Funktion des Gehirns und vor allem seine Regenerationsfähigkeiten weiß. Das allein ist allerdings sehr theoretisch, weshalb mich die Kombination mit der sehr handwerklichen, patientenorientierten Chirurgie reizt. Sie bietet die Möglichkeit, Krankheiten zu heilen, während man in der Neurologie bzw. in den Neurowissenschaften spannende Überlegungen anstellt, aber häufig ohne therapeutische Konsequenz. In unserem Fach wiederum kann man direkt eingreifen. Das Schöne an der Chirurgie ist, einen unmittelbaren Erfolg oder eine unmittelbare Konsequenz seiner Aktion sehen zu können. Das ist in anderen medizinischen Feldern häufig nicht der Fall, da man ewig abwarten muss, ob etwas funktioniert oder nicht, ob die Medikamente greifen. Mich hat immer fasziniert, dass das in der Chirurgie anders ist. In der Neurochirurgie habe ich dann die Synthese daraus gefunden.

Es ist allerdings auch immer ein Risiko dabei, denn wenn Sie Fehler machen, hat das weit reichende Konsequenzen...

Richtig, allerdings ist das etwas, was man, wenn man beginnt, so nicht sieht und was auch Teil der Ausbildung oder der Schule ist, die wir in Berlin vermitteln wollen und die auch anderswo vermittelt wird. Einerseits hat man als Neurochirurg die Chance, spektakuläre Dinge zu machen bzw. Fähigkeiten zu beherrschen, die nicht viele Menschen haben. Andererseits sollte man immer im Hinterkopf behalten, wie schnell Komplikationen auftreten können, die einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Es handelt sich um ein Fach, in dem man sich des Risikos bewusst sein muss. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation sollte sorgfältig getroffen werden, weshalb ein guter Draht zu den Patienten äußerst wichtig ist. Man darf auf keinen Fall davon ausgehen, dass es immer so weitergeht, wenn man einmal Erfolg hatte. Nicht abheben und stets demütig bleiben – diese Dinge sollte jeder Neurochirurg unbedingt verinnerlichen. Ich denke, man fühlt sich wie der Größte, wenn man mit diesem Fach anfängt und es läuft zunächst mal alles gut. Geht allerdings etwas schief, was in der Natur der Dinge liegt und jedem einmal passiert, ist man naturgemäß niedergeschlagen. Irgendwann pendeln sich diese Ausschläge auf ein hoffentlich gesundes Niveau ein. Man muss in der Lage sein, mit diesen Vorkommnissen fertig zu werden.

Des Weiteren verlangt die Neurochirurgie eine sehr hohe Präzision, weshalb ein kontinuierlicher Optimierungsbedarf besteht. Dieses Fach ist optimal für Leute, die daran Spaß haben, Dinge laufend zu verbessern und dauernd daran zu arbeiten, es noch besser zu machen und präziser zu werden. Das ist, glaube ich, auch ein wichtiger Grund, warum ich die Neurochirurgie gut finde. Außerdem fasziniert mich die Neuroanatomie sehr. Wenn man einmal aus der Nähe oder in hoher Vergrößerung die Anatomie sieht, dann ist das so etwas Schönes und so etwas Ästhetisches, dass das mit einem anderen chirurgischen Fach wie Bauchchirurgie oder so gar nicht vergleichbar ist. Das Gehirn ist etwas so Einmaliges und Schönes und auch ästhetisch Ansprechendes – das mal aus der Nähe zu sehen, finde ich sehr faszinierend, weshalb sich die Neurochirurgie als Fach lohnt.

 

Mit welchen Erkrankungen werden Sie bzw. wird Ihre Abteilung am häufigsten konfrontiert?

Viele wissen gar nicht, dass sich Neurochirurgen nur zu 50% mit dem Gehirn beschäftigen, während 50% auf Erkrankungen der Wirbelsäule abzielen. Dazu gehört der ganz normale Bandscheibenvorfall bis hin zu den komplexen Fehlstellungen der Wirbelsäule, die dann wiederum zu einer Beeinträchtigung des Rückenmarks und zu einer Beeinträchtigung der Nerven führen. Die Neurochirurgie behandelt ja nicht ausschließlich das Hirn, sondern auch das gesamte Nervensystem – dazu gehört das Rückenmark und dazu gehören die Nerven, die dort austreten, weshalb wir uns zu 50% mit den Problemen der Wirbelsäule auseinandersetzen. Im Kopf- bzw. Hirnbereich sind es sehr viele Hirntumore natürlich, Probleme mit den Gefäßen, also Schlaganfall, Blutungen, die Vermeidung davon, Aneurysmen (Gefäßerweiterungen bzw. erweiterte Blutgefäße, Anmerkung). Ein ganz spannendes Feld für die Zukunft ist die chirurgische Behandlung von Parkinson und von anderen Bewegungsstörungen, das wird in Zukunft eine sehr große Rolle spielen, ebenso wie die Behandlung schwerer psychiatrischer Erkrankungen, bei der es sich aber durch unrühmliche Kapitel in der Neurochirurgie um ein schwieriges Feld handelt. Die Kinderneurochirurgie ist ebenfalls ein sehr großer Bereich, der zumindest in Deutschland stark zentralisiert ist. Das ist schon ein Spezialgebiet, das nicht in allen Bereichen gemacht wird. Wir nehmen in Berlin ca. 5000 Eingriffe vor und 10% davon (500-600) sind an Kindern.

 

Das heißt, sie operieren auch Kinder?Kommt bei Kindern auch Krebs vor oder handelt es sich bei Ihren kleinen Patienten um verunfallte Heranwachsende?

Es gibt zwei Arten von Erkrankungen bei Kindern. Einmal jene, die nur bei ihnen auftreten: Hierbei handelt es sich häufig um Folgen schwieriger Geburten, z.B. kommt es zu einer Blutung im Gehirn, die dazu führt, dass die Kinder einen Wasserkopf (Hydrozephalus = zunehmende Erweiterung der Liquorräume des Gehirns, Anmerkung) bekommen, den man in der Folge behandeln muss. Dann gibt es Entwicklungsstörungen bei Kindern, z.B. dass der Wirbelkanal oder die Haut über der Wirbelsäule nicht richtig verschlossen ist, weshalb das dann blank liegt, was ein Verschließen nötig macht. Manchmal wachsen auch die Schädelnähte im Bereich des Kopfes zusammen, solche Kinder haben häufig einen Schädel, der nur in der Höhe wächst oder in der Breite. Das hat entstellte Kopfformen zur Folge, die man dann korrigieren muss, damit sich auch das Gehirn richtig entwickeln kann.

Und dann gibt es Erkrankungen, die bei Erwachsenen sehr häufig auftreten, aber auch bei Kindern auftreten können, z.B. Tumore. Es existieren aber auch welche, die beispielsweise gehäuft bei Kindern auftreten, die wir wiederum bei Erwachsenen selten sehen. Dann gibt es Gefäßerkrankungen, von denen Kinder betroffen sind, bei ihnen aber sehr viel seltener diagnostiziert werden als bei Erwachsenen und es gibt Epilepsie bei Kindern, zwar selten, aber es kommt vor. Häufig wird diskutiert, ob die Kinderneurochirurgie ein eigenes Fach ist, denn ein Erwachsenenneurochirurg behandelt manche Erkrankungen gar nicht, während er aber wiederum Probleme behandelt, die ein Kinderneurochirurg eher selten zu sehen bekommt. Aus diesem Grund bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Spezialisten, damit man den Bedürfnissen kleiner Patienten eben auch gerecht wird. Das ganze Drumherum, das Organistatorische, die Narkose und die Intensivstation, all das muss auf Kinder dann speziell zugeschnitten sein.

 

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