Schulklasse setzt Zeichen gegen Ausgrenzung
Durch die Erkrankung Vitiligo entstehen weiße Flecken auf der Haut: etwas, was für Kinder und Jugendliche aufgrund von Mobbing durch Gleichaltrige oft noch belastender ist als für Erwachsene.
Die Klasse 3h des Gymnasiums Himmelhofgasse im 13. Wiener Bezirk setzte nun ein Zeichen gegen die Ausgrenzung und gestaltete einen Fußballwürfel aus Karton, der verschiedene Motive mit Flecken zeigt. Der Würfel wird den 250 Schulärzt:innen, die am heurigen Schulärzte-Kongress am 8. Mai teilgenommen haben, zugeschickt und ab sofort auch an Vitiligo-erkrankte Kinder an der MedUni Graz sowie am AKH Wien verschenkt.
„Mit viel Kreativität und Teamgeist sind unsere 24 Schüler:innen an das Herzensprojekt herangegangen. Wir haben uns dabei einerseits intensiv mit der Erkrankung Vitiligo auseinandergesetzt und andererseits auch darüber gesprochen, wie wichtig Akzeptanz, Respekt und Vielfalt sind“, berichtet Klassenvorständin Mag. Tamara Vesely.
„Das sind alles Werte, die ja im Fußball ebenso großgeschrieben werden – daher auch die Inspiration, im WM-Jahr einen Art Ball zu gestalten, der als kleines Spielzeug Freude bereiten soll, aber auch ein Zeichen setzt: Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll, egal, ob erkrankt oder gesund.“
Die Klasse 3h des Gymnasiums Himmelhofgasse
Sichtbare Erkrankungen wie Vitiligo führen zu Mobbing und psychischer Belastung
Vitiligo ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der die Pigmentzellen (Melanozyten) vom eigenen Körper angegriffen und zerstört werden. Das führt zu hellen, unregelmäßigen Flecken auf der Haut, die je nach Hauttyp unterschiedlich stark sichtbar sind.
Bei etwa einem Viertel der Patient:innen beginnt die Krankheit laut dem Deutschen Vitiligo-Bund bereits vor dem 10. Lebensjahr. Vitiligo ist weder ansteckend noch erscheinen die Flecken aufgrund mangelnder Hygiene – zwei Vorurteile, die sich hartnäckig halten.
Die Veränderungen an der Haut sind in der Regel medizinisch harmlos, aber oft mit Stigmatisierung verbunden und führen zu psychischer Belastung bei den Betroffenen. „Daher ist die Aufklärung über Vitiligo und andere stigmatisierende Erkrankungen so wichtig“, betont Univ.-Prof. Dr. Angelika Hofer, Dermatologin und Leiterin der Vitiligo Ambulanz an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Graz, die zu diesem Thema einen Vortrag beim diesjährigen Schulärzte-Kongress hielt und auch die 3h der Expositur besuchte.
„Mir ist es ein besonderes Anliegen, Bewusstsein für stigmatisierende Hauterkrankungen in der Öffentlichkeit und bei ärztlichen Kolleg:innen zu schaffen. Nun konnten wir 250 Schulärzt:innen mit aktuellem Wissen zu Vitiligo und anderen Hauterkrankungen ausstatten. Dieses kann dann bei der nächsten verpflichtenden Schuluntersuchung im Herbst zum Einsatz kommen.
Bei Vitiligo gibt es mittlerweile verschiedene Möglichkeiten der Behandlung. Entscheidend ist, dass früh eine Vorstellung beim Hautarzt bzw. bei der Hautärztin erfolgt, um eine individuell abgestimmte Therapie zu beginnen. Dadurch kann das Fortschreiten der Vitiligo meist verhindert werden und gerade im Gesicht auch eine zufriedenstellende Repigmentierung erzielt werden.“
Vitiligo-Würfel wird in Graz und Wien verschenkt
Falls die Kongressteilnehmer:innen im Herbst ein Kind mit Vitiligo untersuchen, haben sie nun mit dem Würfel der Klasse 3h eine Möglichkeit der kindgerechten Aufklärung. Der „Fußballwürfel“ wird ab sofort auch den jüngsten Patient:innen mit Vitiligo-Diagnose an der MedUni Graz und am AKH Wien geschenkt.
Fotos: privat
